Regenerative Organisationen – Wie gelingt Purpose ohne Burnout? 

Menschen identifizieren sich in sinnstiftenden Positionen häufig stark mit ihrer Aufgabe. Motivation ist ein überaus wichtiger Faktor für gute Arbeit, doch gerade hochmotivierte Personen neigen dazu, Warnsignale von Erschöpfung zu übergehen. Die Grenzen des Machbaren verschieben sich folglich schleichend, und Sinn kann so zur Dauerbelastung werden. Daraus ergibt sich die Leitfrage 

Ist „Purpose“ ein ernstzunehmender Risikofaktor und wenn ja: Wie gelingt ein verantwortungsvoller Umgang damit?

Transformationsprozesse wie etwa die Umstellung auf nachhaltiges Wirtschaften vollziehen sich meist über einen langen Zeitraum – mit vielen verschiedenen Anforderungen, Stakeholdern und damit verknüpften Erwartungen sowie ebenso vielen unbekannten Faktoren. Und natürlich mit systemisch bedingten Frustrationserlebnissen, die besonders intrinsisch motivierte Changemaker vor große Herausforderungen stellen. 

Mit einer sechsteiligen Artikel-Serie „Burn bright, not out!“ widmet sich Santa Meyer-Nandi auf dem Haufe-Portal der erhöhten Gefahr für Nachhaltigkeitsverantwortliche, auszubrennen und welche Rolle Organisationen dabei spielen – einer Facette von Nachhaltigkeitsarbeit, die wir aus unserer Beratungsprozess nur zu gut kennen. 

Regeneration als strategische Zukunftskompetenz 

Meyer-Nandi ordnet die zunehmende Belastung von Mitarbeitenden außerdem in den Wandel der Arbeitswelt ein: KI und digitale Tools übernehmen immer mehr Routineaufgaben, während sich bei den Mitarbeitenden die anspruchsvollen Aufgaben konzentrieren. Die kognitive Belastung verschwinde dadurch also nicht, sondern ändere nur ihre Form. 

Genau deshalb ist es so wichtig, die eigenen Ressourcen während eines solchen Prozesses immer wieder erneuern zu können, um nicht in einen Erschöpfungszustand zu geraten. Regeneration werde damit von einer individuellen Gesundheitsfrage zu einer strategischen Zukunftskompetenz. Meyer-Nandi spricht dabei von „Regeneration als professionelle Praxis“. Ihre Kernthese: Regeneration beginnt nicht erst mit dem Feierabend und ist kein bloßer Ausgleich zur anspruchsvollen und oftmals belastenden Arbeit: 

„Das ist keine individuelle Luxuskompetenz, sondern eine maßgebliche Voraussetzung für gute Entscheidungen, konstruktive Zusammenarbeit und langfristige Handlungsfähigkeit.“1

Kritisch sieht sie – und hier macht sie aus unserer Sicht einen wichtigen Punkt –, wenn Unternehmen ihre Verantwortung durch Angebote wie Resilienztrainings und Achtsamkeitsworkshops auf den Einzelnen verlagern. Denn die Beschäftigten kehrten anschließend in einen Arbeitsalltag zurück, dessen Bedingungen sich nicht verändert hätten. Entscheidend sei deshalb nicht, wie sich Mitarbeitende erfolgreich regenerieren, sondern welche Bedingungen Organisationen dafür schaffen. Regeneration solle daher nicht länger als „privates Vergnügen“ definiert werden. 

Dieser Perspektivwechsel verändert den Blick auf Führung und Unternehmenskultur grundlegend. Für unsere Eingangsfrage lässt sich daraus ableiten: Purpose ist kein Problem an sich. Er wird aber zum Risikofaktor, wenn Organisationen sich nur auf die Motivation ihrer Mitarbeitenden verlassen. Ein verantwortungsvoller Umgang gelingt, wenn Unternehmen Bedingungen schaffen, unter denen Mitarbeitende ihre Energie immer wieder erneuern können. Die Autorin sieht darin eine der wichtigsten Aufgaben nachhaltiger Führung. 

Die regenerative Organisation 

Im Nachhaltigkeitsdiskurs wird regeneratives Wirtschaften in der Regel als Handeln verstanden, das über bloße Nachhaltigkeit oder Schadensminimierung hinausgeht. Ziel ist es dabei, natürliche, soziale und ökonomische Systeme nicht nur zu erhalten, sondern aktiv wiederherzustellen und zu verbessern. Bezogen auf unsere Arbeit stellt sich in diesem Kontext immer wieder dieselbe Frage: Was brauchen Menschen, um gern in einem Unternehmen zu arbeiten und motiviert zu bleiben?  Die Gegenfrage ist genauso aufschlussreich: Was demotiviert Menschen bei der Arbeit? Meist ist es nicht zu viel Arbeit allein. Es sind Bedingungen, die den Menschen als unerschöpfliche Ressource behandeln. 

Regeneration ist keine Wohlfühlmaßnahme, sondern die Bedingung dafür, dass Motivation überhaupt tragen kann. Wer wirklich regenerativ denken will, fragt nicht nur, was ein Unternehmen der Umwelt zurückgibt, sondern auch, was es den Menschen zurückgibt, die es täglich am Laufen halten. Wo Menschen Kraft schöpfen können, entsteht eine gute Atmosphäre, und dort arbeiten Menschen gern, bleiben und geben ihr Bestes. Und Sinn kann so zur Kraftquelle werden statt zur Dauerbelastung. 

Ein Vorbild kann uns dabei die regenerative Landwirtschaft sein: Wer dem Boden nur entzieht, erntet kurzfristig gut, beraubt sich langfristig aber der eigenen Grundlage. Ein Acker darf sich erholen und gesunder Boden ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt etwas wachsen kann. In vielen Unternehmen sind Strukturen noch so gedacht, als ließe sich der Mensch wie eine Maschine betreiben, und seine natürlichen Grundbedürfnisse geraten dabei leicht aus dem Blick. Doch es ist heute wichtiger denn je, dass sie – wie gute Landwirte – Strukturen schaffen, in denen Regenerationsphasen eingeplant sind und wir nicht dauerhaft mehr verlangen, als die Menschen geben können. Dann entsteht ein Umfeld, in dem Menschen nicht nur funktionieren, sondern gern und nachhaltig ihr Bestes geben. 

Wie regenerativ ist Deine Organisation? 

Wie nah ist deine Organisation diesem Prinzip schon? Der Haufe-Artikel bietet einen interessanten Selbsttest: Zum Artikel und Selbsttest auf Haufe 

Regeneratives Arbeiten bei Heldenrat 

Für uns bei Heldenrat ist regeneratives Wirtschaften nicht nur Theorie sondern tagtäglich gelebte Praxis:  

  • Unser Nachhaltigkeits-Leitbild umfasst ökologische, soziale und ökonomische Faktoren und wirkt nach innen wie nach außen. Das bedeutet, dass wir mit Kund:innen, freien Berater:innen, Mitarbeitenden und Dienstleister:innen gleichermaßen achtsam, fair und wertschätzend umgehen und die Rahmenbedingungen unserer Zusammenarbeit möglichst so gestalten, dass Burnout-Risiken minimiert sind. 
  • Wir haben eine starke Purpose-Orientierung, aber wissen auch, dass wir allein nicht die Welt retten können. Deswegen arbeiten wir co-kreativ und bilden Allianzen. 
  • Also Social Business unterstützen wir außerdem mit unseren Gewinnen die ehrenamtliche Arbeit des Vereins Heldenrat – Beratung für soziale Bewegung e.V. Damit ermöglichen wir dem Verein, gute Bedingungen für seine Ehrenamtlichen zu schaffen und tragen dazu bei, dass noch mehr Menschen in ihrem Engagement Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit erleben können. 
  • Und last, but not least, gehört zu Regeneration auch, sich in geschützten Räumen austauschen zu können, oder sich stigma-frei externe Unterstützung zu suchen. Deshalb bieten wir mit Formaten wie den Hamburger Nachhaltigkeitsdialogen oder unserem regelmäßig stattfinden Coffee & Talk Safe Spaces unter Gleichgesinnten und unterstützen Einzelpersonen durch Coaching oder Teams z.B. mit ressourcenorientierter Moderation von Klausurtagungen und Workshops. 

Du möchtest mehr über das Thema erfahren und regeneratives Handeln Deiner Organisation weiterentwickeln? Dann sprich uns an: Kontaktformular

Noch mehr Inspiration aus der Praxis: 

Fußnote:

  1. Meyer-Nandi, S. (2026): Regeneration als professionelle Praxis“, Haufe Sustainability, 17.08.2026, online unter häufe.de (abgerufen 02.11.2026). ↩︎
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