Handbuch für eine demokratische Gesellschaft

Demokratie ist kein Selbstläufer. Auch nicht im Unternehmen.

Wir reden viel über Nachhaltigkeit. Über Klimaziele, Lieferketten, soziale Verantwortung. Aber über eines reden wir im Unternehmenskontext noch viel zu selten: die Demokratie selbst. Dabei ist sie die Grundlage, auf der all das aufbaut, was wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden, Kundinnen und Kunden gestalten wollen.

Ein neues Handbuch von Gesicht Zeigen! und Unternehmen gegen Rechts macht deutlich, wie ernst die Lage ist und was Unternehmen konkret tun können. Umso wichtiger ist es, dieses Thema auch in der Beratungswelt klar anzusprechen.

Die Zahlen sind deutlich

2024 gab es mehr rechtsextreme Straftaten in Deutschland als je zuvor: ein Anstieg von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 42.788 Vorfälle. Das Ergebnis einer Studie von Gesicht Zeigen! ist, dass jede dritte beschäftigte Person bereits rechtsextreme Einstellungen am eigenen Arbeitsplatz wahrgenommen hat. Diese Zahlen zeigen: es ist keine abstrakte Gesellschaftsdebatte, sondern für viel zu viele Menschen Teil ihres Arbeitsalltags.

Trotzdem meinen 21 Prozent der Beschäftigten und sogar 32 Prozent der Führungskräfte, dass sich rechtsextreme Einstellungen am Arbeitsplatz auf gar nichts auswirken würden. Fast jede dritte Führungskraft glaubt zudem, eine rechtsextreme Partei in Regierungsverantwortung hätte keine wirtschaftlichen Folgen, was eine gefährliche Fehleinschätzung ist.

Warum das auch ein Thema für Nachhaltigkeits- und Changeberater:innen ist

Bei Heldenrat begleiten wir Organisationen durch Transformationsprozesse. Wir arbeiten mit Menschen, die Veränderung gestalten wollen – in Unternehmen, Verbänden, im öffentlichen Sektor. Durch unsere jahrelange Praxis wissen wir, dass Unternehmenskultur das Fundament ist. Ohne eine Kultur des Respekts, der Beteiligung und der Anerkennung haben es Nachhaltigkeitsstrategien und Change-Prozesse schwer.

Rechtsextreme Ideologien untergraben das, was gute Organisationskultur ausmacht: die Gleichwertigkeit aller Menschen, offene Diskussionskultur, Mitgestaltung und Solidarität. Wer Vielfalt ernst nimmt, wer Demokratie als gelebten Wert versteht, stärkt damit ebenso die Resilienz und Attraktivität der eigenen Organisation.

Der Arbeitsplatz als demokratischer Übungsraum

Dr. Hans Rusinek, Forscher an der Universität St. Gallen, bringt es im Handbuch auf den Punkt: 

Unternehmen sind nicht Zuschauer, sondern Spielfeld der Demokratie. Hier entscheidet sich, ob wir autoritäres oder demokratisches Verhalten einüben.

Wie werden Entscheidungen getroffen? Wer hat eine Stimme und wer nicht? Wie geht Ihr mit Widerspruch um? Gibt es sichere Räume, um Diskriminierung anzusprechen? Diese Fragen sind hoch relevant in der Organisationsentwicklung.

Was konkret Handlungsmöglichkeiten sind

Das Handbuch benennt mehrere Handlungsfelder, die uns aus unserer eigenen Beratungspraxis vertraut sind:

Werte definieren und wirklich leben:  Nicht als Poster im Flur, sondern als verbindlicher Kompass für Führung, Kommunikation und Entscheidungsprozesse. Das klingt selbstverständlich, ist es aber erstaunlich selten.

Demokratischen Führungsstil entwickeln: Transparenz, Fairness, echte Beteiligung: Das sind keine Soft Skills, sondern strategische Notwendigkeiten. Wer zuhört und einbindet, schafft Vertrauen. Wer Haltung zeigt, schützt sein Team.

Partizipation strukturell verankern: Studien zeigen, dass Mitgestaltung im Unternehmen vor einer Entfremdung von der Demokratie schützt. Was wir intern erleben, prägt, wie wir gesellschaftlich denken und handeln.

Anlaufstellen für Vorfälle schaffen: Wer rechtsextreme Äußerungen oder Diskriminierung erlebt, muss sich sicher melden können – anonym, vertraulich, mit klaren Zuständigkeiten und Rückhalt von oben.

Bildung und Zivilcourage fördern: Fakten allein reichen nicht. Mitarbeitende brauchen konkrete Handlungskompetenz: Wie reagiere ich auf rechte Parolen? Wie spreche ich Diskriminierung an? Workshops helfen, im entscheidenden Moment sicher zu reagieren.

Die gute Nachricht?

Es wirkt. Die Studie zeigt: In drei von vier Fällen kam es nach Maßnahmen gegen rechtsextreme Vorfälle zu keinen weiteren Zwischenfällen. Handeln lohnt sich also. Und es ist dringend!

Unser Fazit

Nachhaltigkeit bedeutet für uns bei Heldenrat immer auch: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Und welche Rolle übernimmt Euer Unternehmen dabei?

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie braucht Menschen und Organisationen, die sie aktiv stärken – in ihrer Kultur, in ihren Strukturen, in ihrem täglichen Miteinander.

Wenn Ihr wissen wollt, wie das in Eurer Organisation konkret aussehen kann, dann schreibt uns. 

Link zum Handbuch

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